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Anekdoten

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Boris Oltmanns



Natürlich passieren in einem Orchester viele Dinge, die nicht direkt etwas mit qualitativ hochwertiger sinfonischer Blasmusik zu tun haben, aber lesen Sie selbst:

Die verschwundene Partitur
Ein Wiedersehen nach 48 Jahren...
Würzburg
Es war einmal wieder Wettbewerbszeit im Jahr 2011. Gut vorbereitet und hoch motiviert machte sich das Orchester im bequemen Doppeldecker-Reisebus auf den Weg. Der Wertungssaal war imposant und so konnte man kaum erwarten, dass es endlich losging.
Nach dem erfolgreichen Ende des Wertungsspiels gab es das bekannte Jurygespräch mit Dirigenten und 1. Vorsitzenden.
Nach dessen Ende versammelte man sich auf dem Marktplatz, um zum Einen der Ergebnisbekanntgabe entgegenzufiebern und zum Anderen zu hören, was denn die Jury zu berichten wusste: Man war sehr angetan von der Musikalität des Vortrags und hat diesem besonders beim Wahlstück sehr interessiert gelauscht und die Musik genossen. Auf dem Postweg waren nämlich die entsprechenden Partituren für die Jury abhanden gekommen und lagen zum Zeitpunkt des Wertungsspiels gar nicht vor...
Im Jahr 2010 wurde das Orchester von einer befreundeten Musikkapelle aus Hüttenbusch um ein paar Aushilfen für einen Auftritt gebeten.
Nach getaner Arbeit tauschte man noch Telefonnummern aus, um in Kontakt zu bleiben.
Ein paar Wochen später kam wieder eine Anfrage zur Aushilfe. Da die Aushilfen des ersten Males nun keine Zeit hatten, wurde im Orchester herumtelefoniert, ob nicht andere Musiker aushelfen könnten.
Ein altgedienter Baritonist des Orchesters kam zum Zuge und wollte nun auch die Kontaktdaten der Hüttenbuscher haben, um die Details des Auftritts zu klären.
Umso erstaunter waren der Vorsitzende der Hüttenbuscher und der Orchesterbaritonist, als Sie miteinander telefonierten.
Die Beiden hatten zusammen in der Bundeswehr gedient und schon dort zusammen Musik gemacht, sich aber nach der Dienstzeit komplett aus den Augen verloren.
So kam ein Wiedersehen nach 48 Jahren zustande, über das sich beide sehr gefreut haben.
Das Orchester machte sich im Jahr 2007 zum Deutschen Musikfest nach Würzburg auf.
Kaum angekommen, ging es auch schon zur Wertung. Wie es sich für einen ordentlichen Wettbewerb gehört, war auch eine qualifizierte Fachjury anwesend.
Nach der Wertung fand in gewohnter Manier das Jurygespräch mit dem Dirigenten statt.
Als dieses beendet war und der Dirigent zum Orchester zurückkam, konnte er kaum an sich halten.
Man hatte uns viel "Mut" und eine ordentliche Leistung bescheinigt. Was ein Professor aus der Jury aber vehement bemängelte, war die Leistung der Es-Klarinette.
An dieser Stelle gab es allerdings ein Problem: Wir hatten überhaupt keine Es-Klarinette dabei...
     
Die Suche
Der Bus nach Rügen
Ein bisschen zu früh
Während einer Orchesterfahrt zum "Musikantentreff Ostsee" in Rostock (1997) sollten wir gemeinsam mit allen beteiligten Orchestern in Warnemünde am Leuchtturm den abschließenden Festumzug bestreiten. Unter Zeitdruck und voller Hektik machten wir uns alle Spielbereit und wollten dann zum Sammelpunkt... Bis jemand bemerkte das unser Jüngster nicht mehr da war...
Eine in der Orchestergeschichte beispiellose aber erfolglose Suchaktion wurde gestartet.
- Schließlich waren alle ratlos - bis jemand eine Stimme hörte: "Hallo Mama!, Hallo Papa!" Alle sahen sich um, doch niemand konnte die Stimme orten, bis die Ergänzung kam "Hier oben!" Unser Nachwuchsposaunist war in Seelenruhe bis ganz oben auf den Leuchtturm geklettert, genoss die tolle Aussicht und winkte uns freudig zu. Die Freude wich dann während der anschließenden Standpauke von Papa wieder...
Im Jahr 1995 fuhren wir zum 4. Orchesterwettbewerb des niedersächsischen Landesmusikrates nach Bad Harzburg. Der von uns gecharterte Bus machte am Hauptbahnhof in Bremerhaven einen Zwischenstopp, um noch einige unserer Musiker aufzunehmen. Der Busfahrer stieg aus und half einer älteren Dame beim Verstauen ihres Gepäcks. "Sicher wird der Busfahrer die gute Frau kennen und ein Stück des Weges mitnehmen wollen." - so dachten wir alle. Eine gute Stunde waren wir unterwegs und die mysteriöse Mitreisende war ganz erstaunt über die außerordentlich ausgelassene Stimmung der Reisegruppe - offensichtlich kannte man sich. Sie nahm sich schließlich ein Herz, um beim Busfahrer nachzufragen:
"Entschuldigung, dies ist doch der Bus nach Rügen?!"
Nein, war er natürlich nicht. Die Dame war aber an einem Alternativtrip zum Orchesterwettbewerb mit Übernachtungsmöglichkeit auf Luftmatratzen und reichhaltigen Gerstenbräuzwischenmahlzeiten aus unverständlichen Gründen nicht interessiert. So mussten wir an einer entlegenen Busstation in der Nähe von Bremen haltmachen und die gute Frau Ihrem Schicksal überlassen - ob Sie Rügen je erreichte konnte leider nie geklärt werden.
Viele Jahre haben wir den Schützenumzug in Kührstedt begleitet. So auch im Jahr 1995. Voller Tatendrang fuhren wir mit unseren Autos zum Schützenhaus, dem Treffpunkt für den Abmarsch. In diesem Jahr war kein Karussell auf dem Festplatz aufgebaut. "Schützenfeste sind auch nicht mehr das, was Sie früher einmal waren!" Aber in diesem Jahr gab es auch keinen Bierstand - und auch keine "Bratwurstbude"... und Zuschauer ? ... und wo sind eigentlich die Schützen? Bedeppert mussten wir erkennen, dass wir wohl eine Woche zu früh angereist waren...
     
Immer geradeaus
Der neue Trommelschläger
Die Tretbootfahrt

1. Mai, Umzug in Bremerhaven zur Maikundgebung. Unser Posaunist, der in der ersten Reihe rechts außen lief, war voll bei der Sache. Den Blick immer schön auf die Noten gerichtet und immer schön geradeaus marschiert. So kann einem schon einmal entgehen, dass das restliche Orchester zwischenzeitlich eine Linkskurve läuft. Die Konzentration unseres Kollegen wurde dann aber doch durch das Gejohle der Zuschauer derart gestört, dass er aufschreckte und flugs die Verfolgung des davongeeilten Orchesters aufnahm.

Während sich alle zu einem Ständchen aufstellten, kramte unser Schlagzeuger endlos lange in allen möglichen Taschen und Kisten, um anschließend mit rotem Kopf zu bekennen: "Ich hab den Schläger für die große Trommel vergessen!" Natürlich sind wir nie um innovative Ideen verlegen und so wurde beim herannahenden Partyservice zunächst die Kelle für die Gulaschsuppe konfisziert und als Trommelschläger missbraucht. Die hungrigen Partygäste waren so zumindest gezwungen, sich vor dem Essen erst einmal unser Ständchen anhören zu müssen! Wir waren 1982 während einer Orchesterfahrt zu einem Besuch am Gardasee in Italien. Die Meisten von uns haben mit Tretbooten den See erobert. Während einer gewagten Rettungsaktion, in deren Verlauf eine Bluse erfolgreich vor dem Ertrinken gerettet werden konnte, war leider zu beklagen, das sich unsere 1. Klarinettistin einen Fingernagel abbrach und so leider nicht an dem folgenden Konzert teilnehmen konnte. In einer heftigen Diskussion wurde die Problematik eingehend erörtert und auf den Punkt gebracht:
"Es geht nicht mehr an, dass vor Konzerten Tretboot gefahren wird!"